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„Gott bewahre uns vor den Beschützern der Demokratie ..“

entfuhr es dem Kabarettisten Serdar Somuncu in seinem podcast https://www.youtube.com/watch?v=Rd2bRNXLowQ (ergänzend dazu über Ulrike Hermann https://www.youtube.com/watch?v=j9MBGSSTLuw) zur erstaunlichen Pirouette des Moderators Markus Lanz in Sachen Regulierung, Zensur, gar Verbot von Medien hierzulande resp. des Hinrichtungsrituals einzelner eingeladener Talk-Gäste durch den Talkmaster und zwei, drei andere Gäste. Und eine weitere kabarettistische Stimme in Gestalt von Simone Solga hat sich ebenfalls zur Debatte um die Äußerung des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) in der Talk-Show Markus Lanz am 7. Januar 2026 zu Regulierung, Zensur und Verbot von Medienportalen wie nius zu Wort gemeldet: https://www.youtube.com/watch?v=oqdr9V5qZUE.

Im Ernst: Unmittelbar nach der Sendung mit Daniel Günther haben u. a. der Deutsche Journalistenverband und die BILD-Chefredakteurin Marion Horn Widerspruch gegen Günthers Zensur- und Verbotsfantasien erhoben. Es haben außer einer Reihe stinknormaler Zuschauer auch potentiell Betroffene die Worte des Ministerpräsidenten genauso verstanden, wie sie gesagt worden waren, sprich: sie keineswegs lediglich auf soziale Medien und unter 16-Jährige bezogen, sondern auf Medien insgesamt und insbesondere auf Medienportale wie nius und Apollo News. Der podcast „Sachlich richtig“ – immerhin alles einst arrivierte ÖRR-Journalisten – hat sogar eine hörenswerte Sonderfolge produziert (https://www.youtube.com/watch?v=CafDlGbiScY). Wahrscheinlich wäre es für Günther besser gewesen, wenn er einfach eine Klarstellung hinterhergeschoben und seine Staatskanzlei die ihm von Medienanwalt Joachim Steinhöfel übermittelte Unterlassungserklärung unterschrieben hätte, künftig das Medienportal nius weder als „Feind der Demokratie“ zu bezeichnen noch ohne jeden Beleg zu behaupten, es würde dort faktenfrei und mit lauter Lügen gearbeitet. Das erste stellt eine Herabwürdigung dar, deren sich Günther als zur Neutralität verpflichteter Repräsentant des Staates zu enthalten hat, das zweite eine Tatsachenbehauptung, deren Richtigkeit er nun vor Gericht wird beweisen müssen. In der Pauschalität, in der er sie bei Lanz vorgetragen hat, dürfte ein entsprechender Nachweis überhaupt nicht zu erbringen sein … Dass sich ein Ministerpräsident in einer Talk-Show mal komplett vergaloppiert, ist dabei noch das Allergeringste. Shit happens und man räumt das ein und gut ist. Dass dieser Ministerpräsident dann aber auf Kosten der schleswig-holsteinischen Steuerzahler an diesem Irrlauf auch noch betonköpfig festhält, obwohl bei dieser Sachlage zu erwarten ist, dass er nicht nur bloß sich selbst ein Bein stellt, sondern auch das Bundesland und die Politikerzunft beschädigen wird, ist dann schon nicht mehr ganz so lustig. Wäre Günther rechtzeitig beigedreht, würde heute niemand mehr darüber reden. Und Lanz? Uninteressant!