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Macht endlich Schluss mit Edward Said und den Palitum!

Mit Edward Saids „Orientalismus“ (1978) hat sich seit Anfang der 1980er Jahre in den Nahoststudien und in der Islamwissenschaft an westlichen Universitäten ein desaströser Einfluss linker Identitätspolitik etabliert. Said griff die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens als solche an, sei es die empirisch-faktische Orientierung, seien es Fragen der Überprüfbarkeit und des Falsifizierens von Forschungsergebnissen oder sei es die Logik in der Argumentation. All die diesbezüglichen Schwächen in „Orientalismus“ wurden seit seinem Erscheinen wiederholt von zahllosen, teils namhaften Fachleuten arabischer, europäischer und amerikanischer Provenienz aufgezeigt. Warum sich Saids Buch trotzdem durchsetzen und zum Standardwerk avancieren konnte, sein Renommee weder der Kollaps des Ostblocks noch die islamistischen Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA erschüttern konnten, harrt seiner Klärung. Feststeht nur, dass es außerwissenschaftliche Faktoren gewesen sind, die für den Durchmarsch von „Orientalismus“ im westlichen Wissenschaftsbetrieb sorgten: der Aufstieg der Neuen Linken, die Popularität von Ideologien wie Antiimperialismus, Antizionismus und Multikulturalismus ganz allgemein in den westlichen Gesellschaften und damit auch im Politikbetrieb. Dabei hatte die westliche Entkolonialisierung im Nahen Osten bereits in den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren begonnen und war in den 1960er Jahren abgeschlossen. Darum konnte der westliche Kolonialismus keinen guten Grund für ein Buch wie „Orientalismus“ abgeben, das noch dazu den arabisch-islamischen, den osmanischen und den sowjetischen Imperialismus und Kolonialismus so konsequent ignorierte, dass jeder Historiker sofort hätte hellhörig werden müssen. Es ist bezeichnend –meine türkischen Freunde werden es verzeihen, aber das Gebiet der heutigen Türkei war bis weit ins letzte Jahrtausend hellenistisch, römisch, christlich-byzantinisch und armenisch geprägt -, dass ausgerechnet die islamische Expansion nach Westen und Norden, bis weit ins europäische Kernland hinein, auf den Balkan, nach Bulgarien und schließlich bis vor die Tore Wiens (1529, 1683) bei Said keinerlei Erwähnung findet. Das hätte seine These von der 2500-jährigen bösartigen Unterdrückung des Orients durch Europa ad absurdum geführt. Wie im Übrigen auch die Eroberung Konstantinopels 1453 durch Sultan Mehmed II., die, weil sie die alten Handelsrouten blockierte, die Suche neuer Seewege nach Indien erst in Gang setzte, die dann in der spanischen und portugiesischen Entdeckung und Eroberung Amerikas ab den späten 1490er Jahren gipfelte.

Es ist kein Zufall, dass „Orientalismus“ mit Napoleons Feldzug nach Ägypten – als hätte dieser nicht fast gleichzeitig halb Europa verheert – und mit der von Said in Bausch und Bogen verdammten geographischen und archäologischen Erschließung des Nahen Ostens beginnt. Im Grunde ist Saids Buch nicht viel mehr als ein wissenschaftsfeindliches, antiwestliches und antizionistisches PLO-Pamphlet voller Anklagen, unbelegter Behauptungen und abenteuerlich verzerrter Lesarten, das recht gut zur PLO-Charta von 1968, zu Jassir Arafats sowjetisch inspirierter Palästina-Ideologie, seiner Rede vor der UNO 1974 und zur UN-Resolution 3379 passt, die den Zionismus 1975 zum Rassismus erklärt hatte und die Behandlung der Araber in Israel mit der in Südafrika faktisch praktizierten Apartheid assoziierte. Es war die Zeit, in der aus den Arabern des einstigen britischen Mandatsgebiets auf einmal Palästinenser wurden. Unerklärlich, dass darüber niemand lachte und die UNO das statt dessen ernst nahm. Denn der Name „Palästina“ ist durch und durch europäisch.

In der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel, der Septuaginta, tauchte er zum ersten Mal auf und bezeichnete dort das Seevolk der Philister, die möglicherweise vom Balkan stammten. Der Hirtenjunge David erledigte ihren riesenhaften Kämpfer Goliath mit einer Steinschleuder. Damit war die Sache entschieden und das Philistervolk Geschichte. Dass sich die muslimischen und christlichen Araber in der Auseinandersetzung mit Israel nun ausgerechnet diesen Namen gaben und nach so vielen Niederlagen bis heute daran festhalten, ist erstaunlich. Es könnte damit zusammenhängen, dass die Römer das uralte jüdisch-israelitische Siedlungsgebiet nach der Niederschlagung des Bar Kochba-Aufstands 135 n. Chr. „Palästina“ nannten, um die Juden zu demütigen. Später nannten auch die Pilger im christlichen Europa – und nur dort –die inzwischen osmanische Provinz „Palästina“, zumal die Europäer die einzigen waren, die das Gebiet kartographierten. Die christlichen Theologen Westeuropas, die sich ab dem 18. Jahrhundert übrigens allesamt Orientalisten nannten, behielten diese Bezeichnung bei. Und die moderateren Antisemiten unter ihnen träumten schon um 1800 davon, alle europäischen Juden dorthin auszuweisen. Kaiser Wilhelm II. unternahm 1898 eine Palästinareise und am Ende, das heißt, zwei Jahrzehnte und einen Weltkrieg später, gebrauchten die Briten zur Gebietsbezeichnung ihres Völkerbundmandats den gleichen alten lateinischen Namen. „Palästina“ ist so wenig arabisch und islamisch, dass man nicht recht versteht, wieso die in Gaza und im Westjordanland ansässigen arabischen Muslime und arabischen Christen ausgerechnet ihn verwenden, um ihre vermeintlich autochthonen Gebietsansprüche geltend zu machen. Klarheit stellt sich erst ein, wenn man berücksichtigt, für wen das ganze „Palästinenser“-Theater aufgeführt wird und warum: Die UNO ist eine westliche Schöpfung, auch wenn ihr von Anfang an nichtwestliche Staaten angehörten, weshalb in erster Linie der Westen Adressat des palästinensischen Schaustücks ist, seien es nun die Flugzeugentführungen ab Ende der sechziger Jahre, die alle nur westliche Fluggesellschaften trafen und eben nicht Aeroflot (UdSSR) oder Interflug (DDR), sei es Jassir Arafats auf Betreiben der Sowjetunion gehaltene Revolverrede mit Pistolenhalfter und ebenjenem, den Umriss Israels assoziierenden schwarz-weißem Tuch auf dem Kopf vor der UN-Vollversammlung oder seien es zuletzt die wohlorganisierten pro Hamas-Aufmärsche, die Palästina-Camps und Universitätsbesetzungen in westlichen Großstädten nach dem 7. Oktober 2023. All das gab und gibt es ausschließlich im Westen. All das waren und sind Inszenierungen für die Frank-Walter Steinmeiers und Sophie von der Tanns der westlichen Welt, um es herunterzubrechen. Es gibt keine Zivilisation außer der westlichen, die jemals so etwas wie ein Völkerrecht, ein Selbstbestimmungsrecht der Völker oder individuell einklagbare Menschen- und Bürgerrechte entwickelt hätte. An wen muss man also appellieren, um Empörung über die wenn auch nur vermeintliche Verletzung solcher grundlegenden Rechtsvorstellungen zu erzeugen? Eben! Die israelische Politologin Einat Wilf, die in den 1990er Jahren noch zum linken Friedenslager gehörte, hat analysiert, worin die viel beschworene Identität der „Palästinenser“ besteht, warum die UNRWA den Anfang der 1920er Jahre vom Mufti von Jerusalem, Haj Amin al-Husseini, vom Zaun gebrochenen „Nahost“-Konflikt durch die exklusiv für die „Palästinenser“ vorgenommene Verlängerung des Flüchtlingsstatus, der sie vor allen anderen Flüchtlingen auf der Welt privilegiert, künstlich am Leben hält und weshalb die auf den ersten Blick zivil erscheinende Forderung nach einem „Rückkehrrecht“ der „Palästinenser“ ins israelische Kernland realiter die Zerstörung des einzigen jüdischen Staates auf der Welt bedeutet https://www.youtube.com/watch?v=eNBILq0eS0k Jedermann in Deutschland steht sofort klar vor Augen, wie absurd eine solche „Rückkehr“-Forderung von „Palästinensern“ ist, wenn er sich nur verdeutlicht, dass die Nachfahren der 12 Millionen Sudetendeutschen, Ost- und Westpreußen, die 1945 aus der Tschechoslowakei und aus Polen nach Deutschland geflohen sind, unmöglich dorthin zurückkehren können. Die Deutschen hatten den Zweiten Weltkrieg angefangen und verloren, so, wie die Araber im Mai 1948 den Unabhängigkeitskrieg angefangen und verloren hatten, vor, während und nach dem die arabischen Palästinenser das Gebiet des heutigen Israel verlassen hatten, die meisten in der Annahme, dass das neugegründete Israel diesen Krieg verlieren würde und sie problemlos zurückkehren könnten, denn die wenigsten wurden tatsächlich vertrieben, wobei hinzuzufügen ist, dass die allermeisten der um die 700.000 damals geflüchteten arabischen Palästinenser ins Westjordanland oder in den Gaza-Streifen gingen, also überhaupt keine Flüchtlinge gewesen sind. Dass sie trotzdem von einem Flüchtlingshilfswerk, der UNRWA, versorgt wurden, das allein für sie gegründet worden war, macht sie ebenso zu einer historischen Ausnahme unter allen Flüchtlingen auf der ganzen Welt wie die Tatsache, dass die entsprechenden Flüchtlingslager im Westjordanland und in Gaza bis heute nicht aufgelöst wurden.

Um es kurz zu machen: Die – im Übrigen selbstzerstörerische – Identität der „Palästinenser“ kreist einzig und allein um die Vernichtung des Staates Israel, das heißt, um das bereits vom Mufti al-Husseini zum obersten Gebot erklärte Ziel, dass die Juden auf dem Gebiet des einstigen britischen Völkerbundmandats Palästina keinen Staat haben sollen. Das ist nicht sonderlich konstruktiv und der Grund dafür, dass Arafat im Jahr 2000 und Mahmud Abbas (Kampfname „Abu Mazen“) im Jahr 2008 die jeweils großzügigen Angebote der Israelis ablehnten, einen Staat Palästina neben Israel zu errichten. Und es ist der Grund dafür, dass die Hamas nach dem Rückzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen 2005 die Abermilliarden internationaler Hilfsgelder und die Abermilliarden aus Katar, den fruchtbaren Ackerboden und die touristisch fabelhaft erschließbare Lage am Mittelmeer nicht nutzten, aus Gaza eine Art Singapur oder ein zweites Dubai zu machen, sondern dazu verwendeten, eine unter- und oberirdische Terrorinfrastruktur mit dem Ziel aufzubauen, Israel zu vernichten. Zu dieser Terrorinfrastruktur gehören natürlich auch das gesamte, teils von UNRWA getragene und organisierte Bildungswesen und die islamistischen Medien, die schon den kleinen Kindern in Dauerschleife einimpfen, dass Juden und Zionisten kein Lebensrecht haben und das Heil der Welt von ihrer Tötung abhängt. Das ist Nazi-Style, klar, aber bereits vom Mufti inspiriert, der diese Gefühls- und Gedankenwelt schon propagierte, als von den Nazis in Deutschland noch wenig die Rede war und auch die ägyptischen Muslimbrüder noch nicht gegründet worden waren. Mit anderen Worten: Es ist heimischer, ur-arabischer und ur-islamischer Judenhass ohne jedes europäische Zutun, womit nicht gesagt ist, dass jeder Araber, ob Christ, ob Muslim, so denkt und fühlt. Ganz und gar nicht: Wäre das Übereinkommen zwischen Emir Faisal und Chaim Weizmann vom Januar 1919 nicht von der Pariser Friedenskonferenz durchkreuzt worden oder hätte sich der lokale Clan der Nashashibis gegen den der al-Husseinis durchgesetzt, wäre die Geschichte der Region schon damals vermutlich vollkommen anders verlaufen, wahrscheinlich auch nicht komplett störungsfrei und harmonisch, aber möglicherweise entschieden weniger mörderisch und blutig. Mit den Abraham-Abkommen sieht die Zukunft zumindest anders aus als die Vergangenheit. Wenn jetzt noch das mörderische Mullah-Regime stürzt und mit ihm seine Proxys im Libanon, im Irak und im Jemen, verlieren die „Palästinenser“ nach den Nationalsozialisten, den Panarabisten unter Gamal Abdel Nasser und der Assad-Dynastie, der Sowjetunion samt Ostblock ihren letzten mächtigen und weltweiten Unterstützer, Förderer und Partner. So sieht das auch Einat Wilf ((https://www.timesofisrael.com/einat-wilf-fall-of-iran-an-opportunity-to-uproot-palestinianism/) und wenn die Europäer endlich aufhören würden, ebenso unbedarft wie bösartig dazwischenzufunken, wie sie es seit der Pariser Friedenskonferenz von 1919 tun, könnte aus der Sache etwas werden.

Zurück zu Edward Said, dem arabischen Christen, dessen wohlhabende Familie „Palästina“ schon in den zwanziger Jahren verlassen hatte und längst im ägyptischen Kairo lebte, der aber trotzdem beanspruchte, ein „palästinensischer Flüchtling“ zu sein, der er nie gewesen war. Er verbrachte ein Viertel seines überaus privilegierten Lebens im ägyptischen Kairo und den Rest im akademischen Milieu der Vereinigten Staaten und hielt sich für den letzten jüdischen Intellektuellen nach Hannah Arendt und Theodor W. Adorno, die sich zwar gelegentlich gründlich irrten, zeitweise auf ideologische Abwege (Marxismus bei Adorno) gerieten oder bestimmte Phänomene missdeuteten (Antisemitismus, Rassismus sowie die Figur Adolf Eichmann bei Arendt), aber brillant, klar, präzise und zusammenhängend denken und formulieren konnten, was man angesichts seines Werks von Edward Said nicht sagen kann. Sein Buch „The Question of Palestine“ (1979) behandelt zwar den viel beschworenen Nahost-Konflikt direkt und versammelt dabei all die Buzzwords, die von der Sowjetunion und der PLO über die UNO durch Reden und Resolutionen in die westliche Debattenwelt der siebziger Jahre gespült wurden und die heute das woke wording ausmachen – „Kolonialismus“, „Rassismus“, „Imperialismus“, „Apartheid“, „ethnische Säuberung“, „Auslöschung“ der „Palästinenser“ etc. -, spielt aber im Unterschied zu „Orientalismus“ im westlichen Wissenschaftsbetrieb kaum eine Rolle. Natürlich fällt auf keiner Seite von „Orientalismus“ der Name Haj Amin al-Husseini. Darum erfährt man dort auch nichts über dessen Bemühen um eine Partnerschaft mit den Nationalsozialisten gleich nach deren Machtantritt 1933, die dann erst ab 1937 in Erfüllung ging, nichts über die von den Nazis geförderten ägyptischen Muslimbrüder, nichts über den Aufenthalt des Muftis in Berlin von 1941 bis 1945, nichts über dessen Empfang durch Adolf Hitler im Herbst 1941, bei dem der eine „Führer“ dem anderen „Führer“ im Falle eines nazi-deutschen Sieges die anvisierte Vernichtung aller Juden auf der ganzen Welt, also auch in Palästina, in Aussicht gestellt hatte, nichts von der SS-Mitgliedschaft des Muftis und nichts von den muslimischen SS-Einheiten, die er während des Zweiten Weltkriegs aufstellte. Um all das verschweigen und um sein komplett verzerrtes Bild von der wissenschaftlichen Orientalistik aufrechterhalten zu können, verzichtete Said in „Orientalismus“ ganz auf die Deutschen, deren Beitrag zur Ägyptologie und zur Islamwissenschaft beträchtlich gewesen ist. Said hätte dann auch Johannes Lepsius, den Sohn des berühmten Ägyptologen Richard Lepsius, erwähnen müssen, dessen Armenierhilfswerk nach Abdul Hamids Massakern an den Armeniern in den 1890er Jahren und schließlich den Völkermord an den Armeniern durch die Jungtürken 1915/17, schon allein deshalb, weil es etliche deutschsprachige Berichte und einen so grandiosen Roman wie Franz Werfels „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ (1933) darüber gibt.

Groteskerweise ist nichts so „kolonialistisch“ wie die Bezeichnungen „Palästina“ und „palästinensisch“. Dass das Edward Said nicht aufgefallen zu sein scheint, spricht Bände über seine wissenschaftliche und philologische Kompetenz. Die steht schon deshalb zur Disposition, weil Said niemals einen Gedanken daran verschwendet, geschweige denn erklärt, wie es in den 1830er Jahren überhaupt zur Besetzung Algeriens durch die Franzosen, in den 1880er Jahren zum vierzigjährigen britischen Protektorat in Ägypten und zu den beiden zeitlich von vornherein begrenzten Völkerbundmandaten Großbritanniens und Frankreichs nach dem Ersten Weltkrieg in der Levante und in Mesopotamien hat kommen können. Es müsste doch eine Fülle an „kolonialer westlicher Wissensproduktion“ und „textuellen Haltungen“ geben, um Saids Duktus nachzuahmen, die Auskünfte über die dreihundertjährige Tributpflicht europäischer Schifffahrtsgesellschaften gegenüber den Barbareskenstaaten von Algier bis Tunis und Tripolis erteilen, über die Raubzüge und Versklavungen europäischer Schiffsbesatzungen und Passagiere durch die Barbareskenpiraten – Miguel de Cervantes, der Schöpfer des berühmten Don Quichote, war ein prominentes Opfer -, die dann erst die Franzosen 1830 endgültig beendeten. Die Blockade des Handelsschiffsverkehrs im Roten Meer durch die Huthis vom Jemen aus und die der Straße von Hormus am persischen Golf durch die islamistischen Revolutionsgarden des Mullah-Irans waren vom 17. Jahrhundert an gang und gäbe, weshalb die Briten Militärstützpunkte an den Küsten der Region errichteten, um arabische Piraterie auf den Handelsrouten zu unterbinden. Die massive Staatsverschuldung der Ägypter nach Eröffnung des Suezkanals führte zum Protektorat durch die Briten und auch darüber müsste es eine Menge schriftlich erhaltene westliche „Wissensproduktion“ mit „textuellen Haltungen“ geben, einen ganzen Wissensschatz gewissermaßen, den es noch zu heben gilt. Briten und Franzosen haben sich weiß Gott nicht nur mit Ruhm bekleckert, als sie die Levante, Mesopotamien und ganz Arabien im Zuge des Ersten Weltkriegs vom Joch der osmanischen Kolonialherrschaft und des osmanischen Imperialismus befreiten. Das Sykes-Picot-Abkommen war mit Sicherheit ein schwerwiegender Fehler. Aber die zeitlich von vornherein begrenzten französischen und britischen Völkerbundmandate, die nicht vorhandene staatliche Strukturen für eine künftige wirtschaftliche und politisch-juristische Unabhängigkeit arabischer Nationalstaaten schaffen sollten, ist erstens mit den westlichen Kolonialherrschaften anderswo auf der Welt nicht vergleichbar und bot zweitens den entstandenen Nationalstaaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Chance, Sykes-Picot zu revidieren und zu korrigieren. Man hätte es halt wollen und tun müssen. Dass bei Said weder der arabische, islamische und osmanische Kolonialismus und Imperialismus eine Rolle spielen, liegt in der politisch-ideologischen Natur der Sache, denn es ging ja ausschließlich um westliche und zionistische (vermeintliche) Untaten. Dass der Jahrhunderte länger andauernde arabisch-islamische Sklavenhandel, die Art der Versklavung und Sklavenhaltung, die bis ins 19. Jahrhundert üblichen, getreu nach dem Propheten Mohammed „Razzien“ genannten Raubzüge Verbrechen von Arabern und Muslimen waren, die Said unter den Teppich kehrt, damit er sie als „Opfer“ von Franzosen und Briten = Europäern, Zionisten und Amerikanern verkaufen kann und im letzten Vorwort von „Orientalismus“ kurz vor seinem Tod 2003 noch mit den Opfern des Holocausts auf eine Stufe stellen kann, gehört nicht nur zu den antisemitischen Widerwärtigkeiten seines Gedanken- und Gefühlshaushalts, die er, lebte er noch, in der üblichen antijüdischen Manier weit von sich weisen würde, sondern ist genau das, was heute Jugendclubleiter und Berliner Bezirksverordnete daran hindert, Strafanzeige gegen arabische Jungmänner wegen Vergewaltigung einer jungen Kurdin zu stellen, eine Lamya Kaddor wegen wiederholter Angriffe auf das staatliche Neutralitätsgebot hochkant aus der Partei zu werfen, Richterinnen dazu bewegt, groteske Urteile über ordinäre Polizistenmörder zu fällen oder Angela Merkel dazu verführte, eine unkontrollierte massenhafte Einreise von Syrern, Irakern und Afghanen anzuordnen, die – vorhersehbar – zahllose Menschen, egal, ob Deutsche, Ukrainer, Türken, Kurden, Araber etc. das Leben kosten sollte.

Nachsatz: Das Faktum, dass der Begriff „Orient“ lateinisch und in der gesamten Region ursprünglicher als das Arabische und der Islam, aber jünger als das Hebräische und das Aramäische ist, sucht man beim Philologen Edward Said vergeblich. Die Römer waren antijüdisch und verfolgten bis zum 4. Jahrhundert Christen, waren aber so multikulturell und multiethnisch wie nur irgendwas.