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Reza Pahlavi und die gefährlich halbgebildete Linke in Berlin

Gestern war Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs, der 1979 aus dem Iran geflohen war, in Berlin. Wer sich seine Rede und die anschließenden Journalistenfragen in der Bundespressekonferenz angehört hat, erlebte einen souveränen, wenn auch (noch?) nicht gewählten Vertreter jener großen Mehrheit von Iranern, die seit fast fünf Jahrzehnten von den Mullahs, ihren Revolutionsgarden und Milizen terrorisiert, hingerichtet, erschossen und ermordet  werden, und zum größten Teil israelfeindliche und antiamerikanische Journalisten, die noch immer der linkstotalitären Propaganda  der Studentenbewegung von 1967 und dem verklärenden antiwestlichen Blick eines Michel Foucault auf Ayatollah Chomeini aufsitzen. Das Erlebnis hinterließ zumindest bei mir recht gemischte Gefühle. Einerseits erfrischend klare und kritische Worte Pahlavis unter anderem zur westlichen Appeasement-Politik gegenüber den Mullahs und die Versäumnisse Europas bis auf den heutigen Tag. Andererseits eine – zumindest überwiegend – gefährlich halbgebildete, selbstbezogene linksliberale Journalistenelite, die nicht Mullahs, Revolutionsgarden und Basidsch-Milizen für die anzuklagenden Übeltäter hält, sondern Pahlavi, Israel und die Vereinigten Staaten.

Nun war Schah Mohammed Reza Pahlavi gewiss kein Demokrat, ließ keine Opposition zu und unterdrückte kritische Stimmen, wo und wann immer sie sich in seinem Reich regten, das etwa fünf mal so groß ist wie die Bundesrepublik. Zugleich aber war er der Modernisierungsmotor des Irans schlechthin, sorgte für allgemeine Alphabetisierung und Bildung seiner Bevölkerung, gab Frauen das Wahlrecht und zumindest eine Aussicht auf künftige Gleichberechtigung, hatte also nicht nur für Technisierung und Industrialisierung gesorgt, sondern auch für eine gesellschaftliche Weiterentwicklung seines Volks. Ihm – wie schon seinem Vater – gebührt das Verdienst, den Iran immer weiter säkularisiert, das heißt, eine klare Trennung zwischen Religion und Politik praktiziert zu haben. Gar keine Frage, dass ihm und seiner Frau Farah Diba dabei auch unverzeihliche Fehler unterliefen. Wo der Iran heute ohne die Machtergreifung Chomeinis 1979 stünde, ist schwer zu sagen. Aber es hätte ohne sie keine Hisbollah, keine Hamas, keine Huthi, wahrscheinlich keine islamistischen Terroranschläge am 11. September 2001 und keinen 7. Oktober 2023 gegeben und auch Europa wäre von den Terroranschlägen von Madrid über London, Paris, Brüssel bis Berlin verschont geblieben. Klar, es gibt außer dem islamistischen Terrorexporteur Iran auch noch die sunnitischen Muslimbrüder, aber die wären ohne Chomeini die kleine regionale Islamistentruppe geblieben, die sie bis zur Islamischen Revolution 1979 gewesen ist. Chomeinis Machtübernahme war der Gamechanger des islamistischen Terrorismus, der mit ihm seinen globalen Siegeszug antrat. Dass die politische Linke bis heute nicht in der Lage ist, diese verhältnismäßig einfach zu begreifenden Zusammenhänge zu erfassen, die ja nun von vielen namhaften Wissenschaftlern vielfach dargelegt und ausführlich beschrieben worden sind, zeugt nur noch von ihrem intellektuellen Niedergang.