Dieser Tage war die Nahost-Korrespondentin Golineh Atai im podcast von Paul Ronzheimer (https://www.youtube.com/watch?v=UM7mi3qYQZw), wo sie eine Menge Hörens- und Wissenswertes berichtete: über das Regime im Iran, das gegenwärtig von den Revolutionsgarden beherrscht wird, über seine Proxys im Libanon, in Syrien und im Irak, über die Natur totalitärer Systeme, die jeden Bereich eines Staates und einer Gesellschaft durchdringen, schließlich den Westen und die Illusionen vieler seiner Politiker und Verhandler darüber. Da ist Steve Witkoff, der glaubt, mit einem Hamas-Führer auf gleicher Ebene zu sprechen, wenn er den beiden gemeinsamen Verlust ihrer Söhne thematisiert. Da sind die Libanesinnen, die nichts sehnlicher wünschen als den Sturz und das endgültige Verschwinden der Hisbollah, die ihnen ihre Verwandten wegmordet und das Land immer weiter in den Ruin treibt. Da sind die Zivilisten, die sehr genau wissen, dass die bloße Anwesenheit von Terrorkommandeuren, Milizen und Revolutionsgardisten ihr Leben gefährdet und die trotzdem nicht sehr viel dagegen tun können. Da sind die amerikanischen und israelischen Angriffe auf scheinbar zivile Einrichtungen wie Universitäten, die aber faktisch im Dienst des Terrorregimes stehen, weshalb sie legitime militärische Ziele sind, so tragisch der Tod Unbeteiligter sein mag. Es war gut zu hören, dass Golineh Atai bei der Nachricht vom Tod Ali Chamineis buchstäbliche Freudentänze aufgeführt hat. Auch wenn ein Teil ihrer Familie religiös ist, hat er sich längst ins Lager der Monarchisten begeben.
Und da ist ein Westen, dessen Politiker, Journalisten und Bevölkerung zumindest in weiten Teilen noch immer nicht verstanden zu haben scheinen, wie islamistischer Terror und ein islamistischer Gottesstaat funktionieren. Man mag Donald Trump nicht für einen Erzdemokraten halten – das tue auch ich nicht, aber sind Lars Klingbeil, Bärbel Bas, Saskia Esken, Baerbock, Habeck etc.pp, kurzum: die SPD und die Grünen Erzdemokraten? -, doch seine Fehler beim Angriff auf den Mullah-Iran bestanden nicht in einer angeblichen Völkerrechtswidrigkeit, nicht in strategischen oder taktischen Mängeln, sondern in Irrtümern über die Natur des islamistischen Systems und in der schlechten Vorbereitung. Alles Dinge, die den Israelis in der Regel nicht unterlaufen, weil sie sowohl den Mullah-Iran als auch die islamistischen Terrortruppen Hamas und Hisbollah sehr genau kennen. (Worüber die Israelis sich irrten, war die Bindungskraft der Gazaner Zivilbevölkerung an die Hamas. Anders ausgedrückt: Die Israelis überschätzten den wachsenden Wohlstand als Faktor einer De-Radikalisierung, die aber realiter nie eingetreten war.) Eine ebenso bedrückende wie wahrscheinlich richtige Einsicht und Beobachtung Atais betrifft den ausgesprochen blutigen Abtritt des Mullah-Regimes. Dass der Islam nicht die Lösung für die Probleme des Nahen und Mittleren Ostens ist, wie es als Losung 1979 beim Machtantritt Chomeinis hieß, dürfte inzwischen jedem klardenkenden Menschen in der Region bewusst geworden sein. Die gesamte Region hat jetzt ihre Faschismus-Phase durchlebt und es bleibt zu hoffen, dass der Sturz der Revolutionsgarden und Basidsch-Milizen nicht allzu viele unschuldige Todesopfer fordern wird. Von alleine und aus Einsicht geben islamische Terroristen ihre Macht nicht her, weder im Iran noch in Gaza, dem Westjordanland, im Libanon, im Irak oder im Jemen. Es ist besser, den inzwischen in Europa heimisch gewordenen Islamkritikern aus der Region zu glauben, die uns seit Jahren darauf hinweisen, dass sich die Hardcore-Islamisten in Europa festgebissen haben. Dass der Islamistenverband Millî Görüs über den Rundfunkrat gegen die neue „Klar“-Folge von Julia Ruhs zum Islamismus hierzulande vorgeht, spricht nicht nur Bände, sondern unterfüttert die Richtigkeit dieser Hinweise mit empirischen Belegen.
Und was macht Deutschland? Fantasiert wie Friedrich Merz vor Schulklassen von einer Demütigung der USA durch den Iran der Revolutionsgarden, anstatt Schiffe in die Straße von Hormus zu senden, um an der Seite der USA die Handels- und Seewege freizukämpfen. Wer den Auftritt des früheren grünen Außenministers Joschka Fischer bei Markus Lanz mit den Beschuldigungen an die Adresse der Trump-Administration angehört hat, der Demokratie den Garaus zu machen, weiß wieder, warum die Grünen ebenso unwählbar sind wie die AfD. Als wäre Genosse Fischer als Vertreter der Neuen Linken nicht einer der härtesten Kritiker, um nicht zu sagen: Gegner der bundesdeutschen Demokratie gewesen. Dieser Ungeist spukt noch heute durch seine Partei und es wäre eine Illusion zu glauben, dass die grünen, sozialdemokratischen und linkslinken Beschwörer „unserer Demokratie“ gewissermaßen „lupenreine Demokraten“ wären. Sie sind das allenfalls in dem Sinn, in dem Gerhard Schröder seinen Busenfreund Wladimir Putin mit diesem Etikett versah. Im Trump-Bashing kommt der uralte Antiamerikanismus zum Vorschein, der in Deutschland unter Linken wie Rechten Tradition hat. Dass sich Fischer in seiner Amtszeit mit den US-Demokraten gut verstand, bedeutet nicht viel, schon gar nicht, dass er plötzlich zum „lupenreinen“ Transatlantiker geworden wäre. Dass sich sowohl die Amerikaner als auch die Europäer im Verlauf der Lebenszeit Fischers grundlegend verändert haben und die Dinge nicht mehr so liegen, wie er sie einst vorfand und dann hinterließ, ist für jemanden, der die Zeitläufe bei Bewusstsein verfolgt und nicht so manisch um sich selber kreist wie Fischer, vielleicht nicht so überraschend.