Die USA werden nicht von ihrer Bevölkerung gehasst, sondern von Professoren ihrer Elite-
Universitäten und Colleges. Sagt der Historiker Niall Ferguson, der Harvard den Rücken gekehrt und mit Kollegen, die das ähnlich sehen wie er, die University of Austin gegründet hat. Es lohnt sich, Ferguson zuzuhören: Kürzlich sprach er in Kanada über Donald Trump, den Zustand des amerikanischen Bildungssystems, die zentrale Rolle von Wissenschaftsfreiheit, künstliche Intelligenz und die Chancen des Westens https://www.youtube.com/watch?v=XgLglcyZqkY. Über die selbstzerstörerischen Kräfte in der akademischen Welt des alten Westens – die neo-marxistischen Tendenzen, die antikapitalistischen, antiimperialistischen, antisemitischen, sozialistischen und kollektivistischen Fantasien (siehe Zohran Mamdani, der Bürgermeister New Yorks geworden ist), die angeblich noch zu vollendende Dekolonialisierung der postkolonialen Theorien, der politische Islam, den Einfluss saudischer, katarischer, chinesischer und iranischer Gelder an den einzelnen Fakultäten – haben Noam Petry und Franziska Sittig im letzten Jahr ein wichtiges Buch geschrieben. Es erklärt und ordnet die antiisraelischen Aufmärsche, die Besetzung und Zerstörung von Instituten und Hörsälen auch in der Bundesrepublik treffender und weitsichtiger ein, als es die öffentlich-rechtlichen Medien hierzulande gewöhnlich tun https://www.youtube.com/watch?v=vCeKqm1_sNk; https://www.youtube.com/watch?v=2hBfV4auvus. Petry und Sittig bestätigen Erkenntnisse, die von Wissenschaftlern wie der Migrationsforscherin Sandra Kostner und Kollegen zu Identitätspolitik und gefährdeter Wissenschaftsfreiheit seit Jahren in Umlauf sind. Dazu zählen ferner die Arbeiten der Ethnologin Susanne Schröter zum politischen Islam und zur Gefährdung des Westens, des Althistorikers Egon Flaig zur Weltgeschichte der Sklaverei, dem drohenden Verlust der politischen Vernunft und dem leichtfertigen Preisgeben der Errungenschaften der Aufklärung, die den Westen geprägt haben, aber auch des Historikers Andreas Roedder, der einen neuen Kalten Krieg zwischen dem Westen auf der einen und vor allem Russland, China und Iran heraufziehen sieht. Dazuzurechnen wären noch die Bücher von Ingo Elbe zum Zusammenhang zwischen wachsendem Antisemitismus und postkolonialer Theorie sowie von Matthias Brodkorb zu den postkolonialen Geschichtslegenden.
Wann immer man Linke in den letzten 25 Jahren über den Westen reden hörte, fiel auf, dass konkretes Wissen über die Sowjetunion seit Lenin, den roten Terror, das Straflagersystem, die erzeugte Hungersnot in der Ukraine mit Millionen Toten, die Moskauer Schauprozesse in den 1930er Jahren, den Hitler-Stalin-Pakt, den Antisemitismus seit 1947, den Ostblock seit 1948, den Prager Slánsky-Prozess 1952, die gewaltsam niedergeschlagenen Volksaufstände in Ungarn, Polen und der DDR, Maos China, über Pol Pot etc. ebenso fehlten wie über die Tatsache, dass Nazi-Deutschland gerade nicht der Westen, sondern die radikale Abkehr von ihm gewesen ist, von simpelsten Kenntnissen über Kulturen und Herrschaftssysteme der arabisch-islamischen Welt – soeben hörte ich im Internet erneut den Unfug von der angeblich arabischen Kulturleistung der Algebra, die sich tatsächlich den Griechen und Indern verdankt -, den afrikanisch-arabischen Sklavenhandel, das innerafrikanische Versklavungssystem ganz zu schweigen. Und daran, dass westliche Linke die Geschichte ihrer Länder en detail kennen, wissen, wer, wann, wo, wie, warum und ob überhaupt und falls ja, auf wessen Initiative hin Grausamkeiten verübte, darf, sofern es sich nicht um die gut aufgearbeitete Geschichte Nazi-Deutschlands handelt, bezweifelt werden. Fraglos hat der politisch-juristische Westen im Laufe seiner inzwischen 250-jährigen Geschichte massive Fehler begangen, Ungerechtigkeiten zugelassen und selbst auch verursacht, sich selbst und seine Anziehungskraft gelegentlich weit überschätzt, Druck und Zwang ausgeübt und Menschen außer Segen gebracht, mitunter erheblichen Schaden zugefügt. Doch freie Medien, freie Rede, Meinungspluralismus, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit sorgten indes nicht nur für Wandel und Dynamik durch Innovationen, sondern auch für Selbstkontrolle durch Parlamente, Gerichte und öffentliche Debatten. Weil die beiden wichtigsten Pfunde des Westens seine implementierten Fähigkeiten zu Selbstkritik und Selbstkorrektur (https://www.achgut.com/artikel/beginnt_mit_trump_eine_neue_weltordnung) sind, kann er sich jederzeit aufs Neue erfinden, benötigt dafür aber an Schulen, in Unternehmen und an Universitäten bestens ausgebildete Staatsbürger, die geistig wach, mutig und flexibel genug sind, Fehler und Irrtümer nicht nur zu begehen, sondern auch einzuräumen und zu korrigieren.
Die postkolonialen Theorien, Gendertheorien und Critical Race-Theorien sind weder Kritik noch seriöse Wissenschaft, sondern antiwestliche Propaganda ohne Realitätsbezug. Man kann ihnen die faktenbasierten Kolonialgeschichten nicht nur Europas und des gesamten Westens, sondern auch der arabisch-islamischen Expansion, des Osmanischen Reichs, des zaristischen Russlands, der Sowjetunion, Chinas, Asiens etc., eine faktenbasierte Geschlechtergeschichte sowie eine faktenbasierte Geschichte des Denkens in Imperien, Nationen, Völkern, Stämmen, Familienclans etc. an die Seite stellen, die Kriterien für Wissenschaftlichkeit schärfen und darauf bestehen, Genitalverstümmelung, Frauenunterdrückung, den Hass auf Juden und Homosexuelle, Rückständigkeit, mangelnde Dynamik, die Gewaltkultur beispielsweise in der islamischen Welt etc. beim Namen nennen. Dass die Bücher Edward Saids, der als Begründer der postkolonialen Studien gilt – Ferguson erwähnt ihn -, westlichen Kriterien von Wissenschaftlichkeit nicht standhalten, war in der Fachwelt schon kurz nach ihrem Erscheinen bekannt. Warum sie trotzdem so stark die Middle East Studies zunächst anglo-amerikanischer, später auch europäischer Fakultäten beeinflussen konnten, bedarf genauer Untersuchung. Denn sie zogen weitreichende Effekte nach sich (vgl. den Vortrag „Opfermythos und der Rassismus der geringen Erwartung“ https://www.youtube.com/watch?v=wytLJEifvHw).
Jüngstes Beispiel dafür sind die desaströsen Berichte Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann mit ihrer Täter-Opfer-Umkehr. Von der Tann hat an der Columbia University in New York und an der London School of Economics and Political Science studiert. Im deutschen akademischen Betrieb spielt Said zwar erst seit Mitte der Nullerjahre eine Rolle – den Hass auf Israel und den Westen haben hierzulande die westdeutsche Studentenbewegung und die DDR-Propaganda implementiert -, ist dafür aber viel breiter und tiefer in die identitätspolitisch umgepolten Bildungs- und Sozialwissenschaften eingedrungen und beherrscht inzwischen auch die Fakultäten für islamische Theologie. Ein zweites Beispiel ist die Schließung des von der Ethnologin Susanne Schröter begründeten „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“ im vergangenen Herbst, der einzigen wissenschaftlichen Einrichtung in Deutschland, die auch den Islamismus erforscht hat. Schröters Bilanz (https://www.youtube.com/watch?v=2IPJkR1BAnc) fällt ebenso glasklar wie deprimierend aus: Wer sich hierzulande wissenschaftlich-kritisch mit dem politischen Islam befasst, wird des Rassismus und der Islamfeindschaft beschuldigt und fällt recht rasch Intrigen und Verleumdungen zum Opfer, kurzum: wird gecancelt. (Tu felix Austria…, denn dort nehmen im Gegensatz zu Deutschland Wissenschaftler und Politiker den sich in Europa rasant ausbreitenden politischen Islam gleichermaßen ernst.) Ein letztes Beispiel ist eine Meldung der „Financial Times“ über die Streichung von Stipendien junger Araber für britische Universitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die dieser Tage die Runde machte. Die Verantwortlichen der VAE befürchteten, dass sich ihre akademische Jugend an britischen Universitäten islamistisch radikalisiert und schob ihrem Studienaufenthalt in Großbritannien einen Riegel vor. Im Unterschied zu vielen arabischen Staaten sind die islamistischen Muslimbrüder in Europa nicht verboten. Sie können hier unbehelligt netzwerkeln, über Moscheen und Bildungseinrichtungen, allen voran an Universitäten, ihr Ziel verfolgen, den Kontinent zu islamisieren. Eine ihrer zentralen Strategien ist es, nicht die Gefahr des Islamismus, sondern die des antimuslimischen Rassismus bzw. der Islam- oder Muslimfeindschaft in den Köpfen autochthoner Europäer zu verankern. Und wie man am Berliner Senat und seiner Einrichtung eines „Tags gegen Islamfeindschaft“ sieht, ist das recht erfolgreich.