Heute hat der Publizist Henryk M. Broder Geburtstag. Ob und wie er diesen Tag feiert, weiß ich nicht. Aber dass andere das tun, finde ich fantastisch! Hätte ich zu entscheiden, würde ich manche seiner Bücher und Kolumnen in den Pflichtteil der Deutschlehrpläne aufnehmen. Denn aus Broders Texten kann man einen ungetrübten Blick auf die Wirklichkeit, ein untrügliches Gespür für Schieflagen, gedankliche und emotionale Klarheit, die Kunst des punktgenauen Formulierens dieser Gedanken und Gefühle, Stilmittel von der feinen Ironie bis hin zum derben Sarkasmus, das präzise Setzen von Pointen, die wichtige Fähigkeit treffsicherer Polemik und gutes Deutsch lernen. Bücher wie „Der ewige Antisemit“ von 1986 und „Hurra, wir kapitulieren“ von 2006 sind Meilensteine der Antisemitismusforschung und der Zeitgeschichte. Dass ein Menschenfreund wäre, wer seine Worte in Bonbonpapier wickelt, ist ein leider weit verbreiteter Irrtum. Ich halte Broder für einen der wenigen Humanisten seiner Generation. Deshalb ist heute ein Feiertag, dem jedes Jahr noch viele folgen mögen!