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Die Geistesverfassung von Sören Pellmann und Genossen

Sören Pellmann, Bundestagsabgeordneter und Co-Fraktionsvorsitzender der Linkspartei, ist fast fünfzig Jahre alt. Er kommt aus dem Osten, war zur Zeit des Mauerfalls dreizehn Jahre alt und hat seine politische Sozialisation in der SED-Nachfolgeorganisation PDS erfahren. Vor kurzem ist er der „Roten Hilfe“ beigetreten, einem 1975 gegründeten bundesdeutschen Verein, der das Unterstützer- und Sympathisantenumfeld von Linksterroristen (zuletzt von Daniela Klette), linksextremen Schlägertrupps und Schlägern (zuletzt der Hammerbande) organisiert. Vergangenen Freitag war es 59 Jahre her, dass Ernesto Guevara am 9. Oktober 1967 von bolivianischen Soldaten erschossen wurde, womit sie ihm das gleiche Schicksal bereiteten, dass er in Kuba einer nicht geringen Anzahl eigener Kampfgefährten beschert hatte. Für Pellmann trotzdem ein denkwürdiges Ereignis, weil ihm zufolge das bolivianische Militär eine „reaktionäre Soldateska“ war, Guevara und seine Handvoll Spießgesellen aber Befreier im Kampf gegen Imperialismus und Krieg gewesen sind https://apollo-news.net/der-geist-guevaras-lebt-in-uns-allen-weiter-linker-fraktionschef-gedenkt-massenmoerder/.
Nun ist Pellmann in einem kritischen Alter. Wäre er zehn Jahre jünger, hätte er von der gewaltverliebten Revolutionsromantik mit dem Che Guevara-Kult der westdeutschen Studentenbewegung nicht mehr viel mitbekommen. Wäre er wiederum zehn Jahre älter und hätte kluge Geschichtslehrer gehabt – die gab es zur Zeit der SED-Diktatur selbst im Osten -, wüsste er, dass der Argentinier Guevara kein einziges Volk auf der Welt befreit hat. Noch nicht einmal die Kubaner – das dachte und sagte man freilich in der DDR -, die unter Castro in ein neues Gefängnis gerieten, in dem kein einziges der Freiheitsversprechen eingelöst wurde. Die Kongolesen und die Angolaner nicht, weil die andere Pläne als Guevara hatten. Die Bolivianer nicht, weil sich Guevara nicht nur fast keine bolivianischen Landarbeiter und Bauern anschlossen, sondern weil sie stattdessen sowohl ihn als auch die Nachhut mit der deutschen Spionin Tamara Bunke gut sechs Wochen zuvor an das bolivianische Militär verrieten. Bunke starb wie die übrigen versehrten „Kämpfer“ ihrer Truppe beim Durchqueren des Rio Grande unter Gewehrfeuersalven. Der Bauer, der ihnen den Weg wies, hatte sie in einen Hinterhalt gelockt. Alles in allem bestand Guevaras Mannschaftsstärke aus um die dreißig Leuten, von denen viele eingeschleuste Kubaner waren, vor denen die bolivianischen Dorfbewohner Angst hatten, weshalb sie, sobald ihre „Befreier“ ihre Ortschaften wieder verlassen hatten, das bolivianische Militär informierten. Revolutionsimport klappt nie. Das war mein Wissensstand als Dreizehnjährige in der DDR.
Heute weiß man noch viel mehr. Zum Beispiel, dass sowohl der kubanische als auch der sowjetische Geheimdienst Guevaras Revolutionsabenteuer systematisch hintertrieb und zum Scheitern brachte. Auch, wie viele Mitkämpfer Guevara schon bei der „Befreiung“ Kubas exekutierte oder exekutieren ließ, wie viele gefangene Soldaten, Batista-Anhänger, Gegner beider Seiten ohne Gerichtsverfahren erschossen wurden, wie viele in Arbeits- und Umerziehungslager gesteckt und wie viele Homosexuelle verfolgt wurden. Che Guevara kann mit Fug und Recht ein Massenmörder genannt werden. Er wie auch die Castros und vermutlich nicht weniger ihrer Genossen waren akademisch ausgebildete, teils beträchtlich begüterte Mittel- und Oberschichtskinder in ihren zwanziger und beginnenden dreißiger Jahren. Skrupellos, machtversessen, gehirngewaschen. Wie ihre späteren Bewunderer in der westlichen Welt. Mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der ihnen gelegentlich attestiert wird, hatte das alles nichts zu tun, denn dafür mordet man nicht. Mit Menschlichkeit auch nicht, denn dann hätte Guevara, der Arzt war, Menschenleben gerettet anstatt geopfert, und Castro als Anwalt Menschen zur Freiheit verholfen anstatt sie Millionen von ihnen über ein halbes Jahrhundert lang zu nehmen. Das Schicksal von Tamara Bunke, Kampfname „Tania“, die noch nicht einmal dreißig Jahre alt wurde, war, obschon selbstverschuldet, tragisch. Als Tochter vor den Nazis geflohener deutscher Kommunisten in Argentinien geboren und als Teenager unfreiwillig in die DDR gekommen, fühlte sie sich dort nicht wohl und wollte raus. Als Dolmetscherin hätte sie das gekonnt. In den fünf Monaten des Umherirrens durch die bolivianische Wildnis mit Fieber und aufgescheuerten Fersen hat sie zu spät gemerkt, dass der Guerillakampf nichts für sie ist.
Doch Sören Pellmann und Genossen, von deutschen Steuerzahlern an den marktwirtschaftlich aufgefüllten Futtertrögen bis ans Lebensende wohlversorgt, sind in einer offenkundig erbärmlichen Geistesverfassung.