Seyran Ates hat dieser Tage im Gespräch mit dem Journalisten Constantin Schreiber (https://www.youtube.com/watch?v=CUK5gTnnLVg) die beunruhigenden Entwicklungen muslimischer Zuwanderung und linker Migrationsromantik seit Mitte der 1990er Jahre rekapituliert. Vom Mangel an Differenzierungsvermögen auf Seiten der Linken und ihrem Unwillen, sich mit den zugewanderten Kulturen, dem Islam, muslimischer Sozialisation und den langfristigen Folgen von Migration sachlich überhaupt zu beschäftigen bis hin zur Weigerung, diejenigen Stimmen säkularer Migranten anzuhören, die immer aufs Neue Wasser in den Wein einer vermeintlich liberalen, tatsächlich aber verantwortungslosen laissez faire-Politik von Migration und Integration kippen, reichen die Defizite aller in bundesdeutschen Parlamenten vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD seit mittlerweile dreißig Jahren. Die AfD, die seit längerem nicht nur Migranten in ihren Reihen hat, sondern auch von ihnen gewählt wird, kann die Probleme wegen ihrer antiwestlichen Ausrichtung nicht lösen. Die Union, die das theoretisch könnte, tut es nicht, denn dafür müsste sie erstens eingestehen, dass sie ebendiese Probleme selbst geschaffen hat und zweitens ebenjene 180-Grad-Wende vollziehen, die sie bislang immer nur vortäuscht. Fraglich ist zudem, ob ihre führenden Funktionäre überhaupt verstanden haben, wie tief ins kulturelle Unterfutter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung die Veränderungen greifen, die sich in Deutschland vollzogen haben.
Von „weißen Christenzionisten“ – gemeint sind vermutlich proisraelische Nichtjuden – spricht das aggressivste verfassungsfeindliche Milieu der Berliner Linkspartei, für die als parlamentarische Frontfiguren Martha Kleedörfer (ursprünglich aus Würzburg), Vanessa Emde (ursprünglich aus Düsseldorf) oder Ahmed Abed (ursprünglich aus den Palästinensergebieten/Offenbach) stehen. In der Hauptstadt vertreten sie die Bezirke Mitte, Wedding und Neukölln. Kleedörfer und Emde repräsentieren überdies als Töchter alleinerziehender Frauen genau das soziale Milieu, das vom bundesdeutschen Sozial- und Bildungssystem am meisten profitiert hat. Denn dieses System hat ihnen eine höhere Schul- und anschließende akademische Ausbildung ermöglicht. Der arabische Palästinenser Abed (Ahmed Abed – der umstrittene Bürgermeister-Kandidat von Neukölln) hat außer von diesem System auch von der großzügigen Migrations- und Einbürgerungspolitik Deutschlands profitiert, das ihm geradezu gegen Recht und Gesetz den Aufenthalt in Deutschland gewährte. Ein wenig erinnert all das an die vielen jungen iranischen Frauen und Männer, die zuerst die Frauen- und Bildungspolitik Mohammad Reza Pahlavis in vollen Zügen genossen, um dann den Schah, dem sie diese Modernisierungsschübe verdankten, auch noch zu stürzen und anschließend in einem totalitären islamistischen Regime aufzuwachen, das sie verfolgte, inhaftierte und ermordete. Berliner Exil-Iraner sind über den Wahlsieg der Linkspartei, das heißt, von Neo-Marxisten und Islamisten, jedenfalls zu Recht bestürzt (https://www.youtube.com/watch?v=dKbS05asuwE).
Was die arabischen Palästinenser betrifft, so folgen sie seit über hundert Jahren mehrheitlich (!) immer wieder nur nationalistischen und islamistischen Führern von Mohammed Amin al-Husseini über Jassir Arafat und Mahmud Abbas bis Scheich Ahmed Yasin und Yahya Sinwar, die nacheinander mit Muslimbrüdern, Nationalsozialisten, Faschisten, Sozialisten, Kommunisten und den iranischen Mullahs paktiert und kooperiert haben, um jedes Mal nach der Niederlage der Rassenkämpfer, Klassenkämpfer und Gotteskrieger Juden und Israelis für ihr Scheitern verantwortlich zu machen. Immer mit körperlicher, psychischer und Waffengewalt, weshalb es niemanden verwundern kann, dass Abeds Bildsymbole Kalaschnikow und Palästinaflagge sind. Zwar leben in Berlin die meisten arabischen Palästinenser im gesamten Bundesgebiet, aber die vielbeschworene Palästinasolidarität nahm nicht mit ihnen ihren Anfang. Auch nicht mit Ferat Kocak und Cansin Köktürk, die bloß für Kontinuität sorgen.
Man erinnere sich an die noch immer im Bundestag sitzende Nicole Gohlke, die zusammen mit Christine Buchholz, Inge Höger, Annette Groth und Norman Paech das lautstarke und medienwirksame Quintett der Israelhasser in der Linkspartei bildete. Höger, Groth und Paech nahmen 2010 auf dem türkischen Schiff „Mavi Marmara“ an der Ship-to-Gaza-Aktion türkischer und arabischer Islamisten u. a. der Hamas teil. Das Quintett bietet sämtliche Generationen der westdeutschen Neuen Linken und den von ihr politisch sozialisierten Geburtsjahrgängen auf. Die Neue Linke war für ihren Antisemitismus, Israel- und Amerikahass berüchtigt. In Parolen wie „Zionismus ist Rassismus/Faschismus“, Israel sei ein „Apartheidstaat“ und der Dauerlüge, Israel würde Völkermord an den Palästinensern begehen, die sie von der Sowjetunion und der SED in der DDR abgeschaut hatte, kam das zum Ausdruck und wurde im Laufe der 1990er und Nullerjahre durch den Vorwurf „ethnischer Säuberungen“ sowie die Boykott-Aufrufe der BDS-Bewegung ergänzt. Die Traditionslinie zur alten, nie aufgelösten, sondern nur immer wieder umbenannten SED, die 1973 ein PLO-Büro in Ostberlin eröffnete und Jassir Arafat oft und gern willkommen hieß, liegt auf der Hand. Arafat selbst war Muslimbruder und bezeichnete sich selbst schwärmerisch als al-Husseinis Soldat, das heißt als Gotteskrieger des Muftis von Jerusalem. Der Weg zu den Islamisten der Hamas, die die PLO ab den 1980er Jahren systematisch zu ersetzen begann, war längst beschritten, zumal es im arabischen Sozialismus die für die Europäer so typische Trennung von Politik und Religion nicht gibt, weil der Islam beides in sich vereint.
Nimmt man es päpstlicher als der Papst, dann haben weder Abed selbst noch der Palästinenserkonflikt in den Wahlkämpfen und auf den Straßen Berlins irgendetwas verloren. Abed bedrängt, bedroht, beleidigt und schüchtert Menschen wie den Psychologen Ahmad Mansour ein, die gegen islamistische Radikalisierung, für den deutschen Rechtsstaat, die Freiheit des Westens und das deutsche Grundgesetz einstehen (https://x.com/AhmadMansour__/status/2102150857391276036). Abed, Kleedörfer, Emde et al greifen nicht einfach nur das bundesdeutsche Grundgesetz an, sondern mit Formulierungen wie „Christenzionisten“ auch sein kulturelles Fundament: die jüdisch-christliche Tradition, die neben der attischen Demokratie in Athen und dem Römischen Recht eine der drei tragenden Säulen der westlichen Zivilisation ist. Auch wenn man zu Recht einwenden kann, dass die Europäer erst nach 1945 das Judentum als fundamentales Element westlicher Zivilisation anerkannt haben, ändert das nichts an der bleibenden Geltung dieser kulturhistorisch leicht nachzuweisenden Tatsache.
Denn dieser bedeutsame Fakt beginnt bei Artikel 1 des bundesdeutschen Grundgesetzes, der die Unantastbarkeit der Menschenwürde garantiert. Die Idee der Menschenwürde geht auf das 1. Buch Moses der Tora, genauer auf den Vers in Genesis 1,27 zurück, der von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen handelt. Darin gründen auch Humanismus und Aufklärung, die menschliche Individuen voraussetzen, die sich selbst – also ohne Gott, wenngleich mit seinem Segen – eine soziale Ordnung schaffen, Rechte und Gesetze geben können. All das gibt es nicht im Islam, in dessen Rahmen eine Trennung von Religion und Politik nicht vorstellbar ist, das Schicksal des einzelnen Menschen von Gott bestimmt ist, ohne dessen Wirken auf Erden praktisch nichts geschieht. Dazu gehört zweitens die Abschaffung des Menschenopfers in Genesis 22: von der Bindung Isaaks durch seinen Vater Abraham bis hin zu Isaaks Ersetzung durch die Opferung eines Widders, also durch künftige Tieropfer. Schließlich kommt drittens der Dekalog in 2. Buch Mose, Exodus 20 – 24 hinzu, in unseren Breiten besser bekannt als die Zehn Gebote. Sie regeln zwischenmenschliche Beziehungen auf der individuellen Ebene und sind im Auszug aus der ägyptischen Sklaverei unverbrüchlich mit dem Wert der Freiheit verknüpft. All diese zivilisatorischen Errungenschaften übernahm später das Christentum. Der Koran kennt sie nicht. Von vielen wohlwollenden, christlich sozialisierten Zeitgenossen, die alles andere als antisemitisch sind, denen das aber vermutlich im kirchlichen Religionsunterricht so beigebracht worden war, hört man immer wieder: Die hebräische Bibel sei voll von blutiger Gewalt, negativen Gefühlen wie Neid, Eifersucht, Hass etc. und Unmenschlichkeit, während im Kontrast dazu in der Liebe, der Barmherzigkeit, dem Friedenswillen und dem Gewaltverzicht des Neuen Testaments die eigentlichen zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheit bestünden. Deshalb sei angemerkt, dass genau diese von manchmal übelwollenden Missdeutungen und Fehlübersetzungen geprägte christliche Lesart des von der Kirche Altes Testament genannten jüdischen Überlieferungen das uralte judenfeindliche Kontrastprogramm von den Kirchenvätern bis zu Martin Luther wiederholt. Man denke an die Fehldeutung der Schadensersatzregel „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ als angebliches Racheprinzip, den Verzicht auf Gegenwehr bei erlittener Demütigung durch einen römischen Soldaten als Sanftmütigkeit oder der vermeintlich generelle Gewaltverzicht. Doch Jeschua gibt seinen unter der römischen Besatzung leidenden jüdischen Zeitgenossen in der sogenannten Bergpredigt Überlebenstipps: keine Schadensersatzforderung an Römer, die Demütigung durch einen Römer hinnehmen und das Schwert nur zur Selbstverteidigung einsetzen. Alle Evangelien, die Offenbarung, die Apostelgeschichte und die Paulus-Briefe beziehen sich auf die hebräische Bibel, ohne die sie überhaupt nicht verständlich wären. Sie besteht aus den fünf Büchern der Tora, Prophetenbüchern, den Samuel-Büchern, den Königsbüchern und den Chroniken, den Weisheitsbüchern, dem Esther-Buch, Psalmen, Sprüchen und Klageliedern. Diese Texte erzählen die Geschichte des jüdischen Volks in allen ihren Facetten, ohne etwas wegzulassen, verzeichnen also alle Missetaten, alle Verfehlungen, alles Schlimme und Schreckliche ebenso wie die zahllosen guten Taten, die in der Lebenswirklichkeit belastbare Ethik, das schöpferisch-einfallsreiche Potential des Menschen, das seine Gottesebenbildlichkeit ausmacht, und das bis in unsere Tage hineinwirkende zivilisatorisch Wertvolle. Zeitlich umfasst die hebräische Bibel um die 3000 Jahre, die kleine Handvoll Texte des Neuen Testaments insgesamt aber gerade einmal um die fünfunddreißig, vierzig Jahre, von denen höchstens fünf oder sechs überhaupt erzählt werden. Die hebräische Bibel berichtet von unzähligen Generationen, die zu unterschiedlichen Zeiten unter verschiedenen Bedingungen gelebt haben, das Neue Testament von ein, zwei Generationen und ist aus der tendenziösen Sicht einer jüdischen Gruppe erzählt und verfasst, die sich sowohl mit anderen jüdischen Gruppen als auch mit den Römern im Konflikt befindet. Man kann beide Textsammlungen also überhaupt nicht miteinander vergleichen und sie einander erst recht nicht kontrastiv gegenüberstellen, wie das seit den Kirchenvätern fast zweitausend Jahre lang geschehen ist. Unter den meisten Judaisten, Theologen, Sprachwissenschaftlern, Soziologen, Historikern, Archäologen etc., also den mit den Texten und ihrem kulturgeschichtlichen Gehalt befassten Fachleuten haben sich diese Einsichten, die Juden schon immer hatten, längst durchgesetzt. Schriftsteller wie Giuseppe Gracia, die wissen, dass sich das Christentum ohne das Judentum niemals wird halten können, ziehen nach. Und das ist überaus bedeutsam, weil diese Klarheit nur dadurch breitenwirksam werden kann.
Es ist nicht nur nicht nötig, die Tatsache einer jüdisch-christlichen Fundierung der westlichen Zivilisation einschließlich des bundesdeutschen Grundgesetzes mit religiösen Glaubensbekenntnissen zu verbinden. Es wäre sogar hinderlich, weil es darin zu keinerlei Übereinkommen außer demjenigen käme, dass eine Übereinkunft ausgeschlossen ist. Religion ist Privatsache, das gemeinsame kulturelle Fundament der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, also der politisch-juristischen Verfasstheit Deutschlands ist das nicht. Es geht um Kulturgeschichte, ihre Schatten- und Sonnenseiten. Das bundesdeutsche Grundgesetz hat Lehren aus der staatlichen Diskriminierung und Verfolgung von Juden sowie der Schoa verarbeitet, fußt aber kulturgeschichtlich nicht auf ihnen. Es gibt eine historische Verpflichtung Deutschlands, der Opfer der Schoa zu gedenken, aber den Hauptgrund, weshalb es immer an der Seite Israels und aller in Deutschland lebenden Juden stehen muss, seien sie Deutsche oder nicht, begründen darüber hinaus Artikel 1 des Grundgesetzes zur Menschenwürde und der Humanismus, die es ohne das Judentum nicht geben würde. Das Grundgesetz schließt Muslime ebenso wenig aus wie Buddhisten, Hindus, Bahais etc., auch wwenn ihre kulturellen Wurzeln nicht zu seinem Fundament gehören. Das Grundgesetz schließt aber die Scharia aus und ist mit einem Islam, der auf ihrer Geltung besteht, unvereinbar. Und die westliche Lebens- und Arbeitsweise schließt das Begehen und Einhalten des Ramadan aus. Es ist absurd, wenn westliche Politiker von der Union bis zur Linkspartei sich danach drängen, in Moscheen und gemeinsam mit Muslimen in Rathäusern und Parlamenten das Fastenbrechen zu begehen. Das können sie gern als Privatpersonen tun, aber bitte nicht als offizielle Repräsentanten des deutschen Staates. Es geht dabei um Wählerwerbung, das ist schon klar, aber in jeder Hinsicht kontraproduktiv. Wer will, dass Kinder schon aus gesundheitlichen Gründen in der Schule ungestört ihre womöglich mit Schweinefleisch belegten Pausenbrote essen und ausreichend trinken können, muss klarstellen, dass der Ramadan in einem jüdisch-christlich geprägten Land nicht so und vor allem nicht für alle verpflichtend ausgelebt werden kann, wie das in einem islamisch geprägten Staat möglich wäre. Es dürfen kein öffentliches muslimisches Kampfbeten, keine Gebetsräume an öffentlichen Schulen und Universitäten, keine öffentlich demonstrierte islamische Geschlechtertrennung etc. in einer jüdisch-christlich geprägten westlichen Zivilisation zugelassen werden. Und Muslime, die dieses Faktum zu akzeptieren nicht bereit sind, können dann eben nicht in Deutschland leben. Und die Emdes, Kleedörfers, Reichinnecks, Schwertners et al? Lässt man sich am besten müde laufen in ihrem mentalen Hamsterrad.