Letzte Woche ist Gaynor Hopkins gestorben, besser bekannt unter dem Namen „Bonnie Tyler“. Viel zu früh, viel zu jung. Heute ist 75 kein Alter. Wer in den siebziger Jahren in Europa Knirps oder Teenie war, kam um „It’s a heartache“ nicht herum. Es gehörte zur alltäglichen Soundkulisse, weil praktisch immer irgendwo ein Radio dudelte. Der Song bündelt in vier, fünf Zeilen, worüber andere wie Marcel Proust siebenbändige Romane geschrieben haben, in denen es zwar nicht nur darum geht, aber vom ersten bis zum letzten Buch eben immer auch. Man kann zu solchen Unausweichlichkeiten und Unerschöpflichkeiten wie Herzschmerz auch einfach ein Heine-Gedicht lesen oder spielerischere, ironische Songs wie Billie Holidays unübertroffenes „Good morning, heartache“ (https://www.youtube.com/watch?v=WdFrzL3qOGE) hören, aber das ist dann eben nicht die eigene Kindheit und Jugend. Eine Freundin erzählt mir, dass sie „It’s a heartache“ zum ersten Mal als Zehnjährige im Hallenschwimmbad gehört hat und wenn sie heute an den Song denkt ist alles wieder da: die Fliesen, der Chlorgeruch und der Papa, mit dem sie dort ihre ersten Runden drehte.
Bonnie Tyler lebte noch immer mit dem Mann zusammen, den sie 1973 geheiratet hatte, soll weder Allüren entwickelt noch weniger prominenten Kollegen mit Dünkel begegnet sein, kam ohne Skandale aus und behielt Bodenhaftung. Das bedeutet schon einiges im Showgeschäft. Als sie vor fünf Jahren ihren siebzigsten Geburtstag feierte, hörte ich im Radio ein Interview mit ihr, in dem sie berichtete, dass ihre Geschwister ebenfalls singen, was für eine walisische Bergmannsfamilie der fünfziger Jahre, der sie entstammte, nicht so furchtbar typisch ist, sie aber stolz gemacht zu haben scheint, auch wenn keiner ihrer Brüder und Schwestern so berühmt geworden ist wie sie selbst. Bonnie Tyler erweckte den Eindruck, ein Mensch zu sein, der sein Leben – sie nannte es „wunderbar“ – gern und zufrieden lebt, weshalb man ihr noch mindestens ein, zwei Jahrzehnte gewünscht hätte.